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2002 / 03 Bildhauer Abschlussprojekt

 

Ritterkuchel

 

Projektinhalt
Für das Erlebnis-Restaurant "Ritterkuchl" in Hall in Tirol wird eine plastische Gestaltung gesucht, die dem Gast die Tugenden der Ritter des Mittelalters in passender Art und Weise zur vorhandenen Atmosphäre übermitteln soll. Nach eingehender Beratung entschied sich das Team für eine Momentaufnahme, in der Siegfried von Drachenfels den Drachen im Rittersaal bezwingt. Das vermeintlich schwache "Gute" siegt über das "Böse".
Aufgabenstellung
Die Säule, die das drückende Gewölbe trägt, soll wie das Licht der Feuerstelle in das Geschehen mit eingebunden werden. Architektur, Bildhauerei, Licht und Schatten sollen in unserer Arbeit vereint werden, um dem Betrachter ein positives, faszinierendes Gefühl zu vermitteln, welches ihn motiviert immer wieder diese historische Gaststätte aufzusuchen.
Zielsetzung
Anfertigen von Entwürfen, die unserem Thema entsprechen. Fachliche Umsetzung unter Berücksichtigung aller Teilkomponenten.
Präsentation
Nach Fertigstellung des Tonmodells erstellten wir Fotos, die wir in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro "beige" aus Wien in einen dreidimensionalen Computeranimierten Raum setzten, welcher genau dem Rittersaal aus unserer Ritterkuchl entsprach. So war es uns möglich, dem Kunden nicht nur das kleine Modell zu zeigen, sondern ihm auch gleich eindrucksvoll vorzuführen, wie die Skulptur in Originalgröße in diesem Raum aussehen und wirken würde. Dementsprechend erfolgreich gestaltete sich dann auch die Entwurfpräsentation beim Kunden.
Das Projekt
Einzelne Arbeitsschritte wurden jeweils im Projekttagebuch festgehalten. Die Umsetzung der Modelle in Holz bereitete uns weiter keine größeren Schwierigkeiten. Taktisches und technisch geschicktes Vorgehen waren jedoch absolut erforderlich. So unterschiedlich wie Drache und Mensch sind, so sollte sich auch die Art und Weise wie die Skulpturen gestaltet sind unterscheiden. Die Oberfläche des Menschen ist glatt und geschmeidig, während die Oberfläche des Drachen rau und grob ausfällt. Dementsprechend wählten wir auch die Farbgestaltung. Für den Drachen hielten wir deckende und kräftige Farben angebracht. Die Farbübergänge zeigen auch gut den Übergang von Realität zu Sagen, Legenden und Mythen, die das Leben oft schöner erklärbar und interessanter machen.
Erläuterungen zum Ritter
Siegbold stellt das vermeintlich schwächere Gute in unserer Welt, im Kampf gegen das ewig Böse dar.  Die drei Tugenden des Ritters hatten im Mittelalter einen hohen Stellenwert. "Ere, Minne und maze" waren ein gesellschaftliches Muss für jeden Ritter. Die Ehre verlangte ruhmreiche Taten, an denen mancher gescheitert ist. In Siegbolds Fall behalten wir uns den Ausgang dieses Kampfes vor, denn der Betrachter selbst soll sich ein Urteil darüber bilden, ob der Drache an seiner schweren Verletzung rechtzeitig eingeht, um dem Ritter nicht doch noch schnell den Kopf abbeißen zu können, und so beide an ihrer Kampfeslust zugrunde gehen. Gesichtsausdruck und körperliche Anstrengung sollen sofort erkennbar sein, wie auch der durchdachte Bewegungsablauf. Die Verbindung über Seil und Speer bilden den Bezug der beiden Figuren zueinander, wie der Feuer-Salamander auf dem Oberschenkel des Ritters den Bogen vom Fantastischen zum Realen "Herr des Feuers" spannt.
Erläuterungen zum Drachen
Der Drache an sich gehört zu einer Tatzelwurmart. Angesichts der höhlenartigen Räumlichkeiten schien mir ein stollenwurmartiges Exemplar am passensten. Charakteristisch für diese Drachenart ist der schlanke Körperbau, der relativ große Kopf, der Kragen, gewaltige Schwingen, langer Schwanz und kräftige wie gefährliche Klauen. Mein seit Jahren anhaltendes Interesse für die Drachenkunde war mir bei diesem Projekt ein großer Vorteil, da auch der Kunde Fachbezogenheit auf diesem Gebiet sehr schätzt. Der Körperbau soll Elan, Schwung und Energie vermitteln, und der Ausdruck zornerfüllt und bedrohlich wirken. Wer unter ihm steht, soll vor Angst zittern und dankbar sein, dass er nur aus Holz besteht.
Persönliches Resümee
Manche Menschen glauben, dass Schnitzen ein brotloses Gewerbe ist und zu einem aussterbenden Berufszweig gehört. "Deshalb finde ich, dass es endlich Zeit wird, mit verstaubten Vorurteilen aufzuräumen. Die meisten Bildhauer schnitzen nicht nur menschenscheu Krippenfiguren in einer Bauernstube. Sie trinken dazu auch nicht reichlich selbst gebrannten Fusel und tragen meterlange Bärte. Viele Bildhauer der neuen Generation sind erfolgreiche, zukunftsorientierte, kreative und umgängliche Designer, die handwerklich und technisch echt `was d`rauf haben!” Abschließend wollen wir sagen, dass uns die Zufriedenstellung unseres Projektpartners und potentiellen Kunden ein sehr hohes Anliegen war. Um so mehr freut uns, sein positives "Feedback" und seine Freude an unserer Skulptur.


Projektteam:
Genoveva Sdoutz
Christoph Larcher

Begleitlehrer:
FL Josef Jehle

 

Genoveva Sdoutz

Ritterkuchel

Christoph Larcher

 

 

 

 

Drachen

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