Federwild

Maler, Vergolder und Schilderhersteller
Projektteam: Laura Geiger, Romina Musaj
Begleitlehrer: FL Tanja Bacun

Projektinhalt
Unser Ziel ist es ein luxuriöses Spiel für Erwachsene bzw. für ein Schaufenster zu gestalten. Da wir im Auftrag von Frau Patscheider arbeiten, die den Peep-Shop betreibt, haben wir uns für den Projektitel “Federwild” (d.h. jagdbare Vögel) entschieden. Ziel des Spieles ist es die Vögel mit der meisten Punkteanzahl zu fangen. Das Spiel “Federwild” besteht aus einer 40×40 cm großen Holzkiste mit Deckel und aus zwölf Spielfiguren in Form von verschiedenen Vögeln, die wir aus Holz aussägten. Diese Elemente des Spiels wurden mit den verschiedensten Vergoldertechniken gestaltet. Gefangen werden die magnetisierten Vögel mittels einem Holzstab an dem ebenso ein Magnet befestigt wurde. Zusätzlich gestalteten wir Spielkarten und Spielregeln mittels PC und Digitaldrucker, die die Teilnehmer des Spiels über die Punkteanzahl der einzelnen Vögel informieren.

Idee
Schnell war uns klar, dass wir etwas Einzigartiges gestalten wollen, das es bis heute noch nicht an unserer Schule gab. Nach langem hin und her entschieden wir uns ein Spiel zu kreieren. Da unsere Projektpartnerin des Peep-Shops einen Vogel als Logo besitzt, sind wir schnell auf die Idee gekommen, dass unser Spiel etwas mit Vögel zu tun haben muss und allem was dazu gehört.

Zielsetzung
Unser Abschlussprojekt “Federwild” soll in erster Linie ein optischer Hingucker werden. Mit unseren kreativen Fähigkeiten und der Liebe zum Detail wollen wir dieses Ziel erreichen und unseren Kunden zufrieden stellen.

Gestaltung der Spielkarten + Spielregeln
Für jeden gestalteten Vogel gibt es eine jeweilige Spielkarte mit dem Namen des Vogels, die lateinische Bezeichnung, ein Foto, ein Steckbrief und dem Wert des Vogels. Die nötigen Informationen holten wir uns aus dem Internet und die Fotos wurden mit ‚‚Adobe Photoshop‘‘ bearbeitet.Mit ‚‚CorelDraw‘‘ gestalteten wir die Spielkarten und die Spielregeln.Da dies digital gedruckt wurde, war es wichtig eine Auflösung von 300 dpi zu haben und die Datei unter dem Format EPS zu speichern.Die bedruckte Folie musste über Nacht trocknen, um verarbeitet werden zu können.Die gedruckten Karten wurden auf Karton geklebt und die überstehenden Kanten zugeschnitten.Die Spielregeln wurden mit dem Nassklebeverfahren auf Plexiglas geklebt.Auf die Hinterseite der Spielregeln wurde unser Logo ,,Federwild“ ebenfalls geklebt.

Gestaltung der Kiste und der Vögel
Aus ‚‚MDF-Platten‘‘ bauten wir mit Hilfe eines Bildhauers eine Kiste und aus Sperrholz schnitten wir mit Hilfe einer elektrischen Dekosäge unsere Vögel aus. An den Vögeln wurde eine Ringschraube befestigt, die als Haftung für die Magnete dient. Die Aststellen wurden mit Schellack versiegelt damit kein Harz austreten kann. Darauf erfolgte das Leimtränken. Die dünne Leimlösung durchtränkt das Holz, versiegelt die Kapillaren des Untergrundes und vermindert somit die Saugfähigkeit. Um die Details plastischer wirken zu lassen haben wir Blätter mit einem leimgetränkten Tuch und Lianen mit leimgetränkten Wollfäden appliziert.

Danach wurde eine Schicht Idealkreide eingerieben. Sie besteht aus einem Knochenleim-Wasser-Ansatz mit eingesumpfter Idealkreide.Nach der Trocknung der Idealkreide wurden kleine Löcher oder Unebenheiten mit Moltofill gekittet. Die folgenden Schichten werden als Weißgrund bezeichnet und  je nach Weiterbehandlung, beziehungsweise Verzierungstechniken, erfolgen bis zu zwölf Aufträge. Der Weißgrund besteht aus einem Hautleim-Wasser-Ansatz, gesättigt mit der so genannten Bologneserkreide. Diese ist sehr ,,fett“ und hat füllende Eigenschaften. Glatt geschliffen bildet sie den optimalen Untergrund für eine Polimentvergoldung. Nach der Trocknung des Weißgrundes wurden bestimmte Details mit Kreidegrund mittels einer kleinen Spritzflasche aufgesetzt.
Nach vollständiger Trocknung des Weißgrundes erfolgt das Schleifen von Hand.
Sandeln ist eine Einstreutechnik. Eine so genannte strukturelle Applikation (Erhöhung). Als Bindemittel wird Haut- oder Knochenleim verwendet. Der Leim wird Stück für Stück aufgetragen und unmittelbar danach wird der Sand aufgestreut. Der restliche, lose Sand wird abgestreift. Nach der Trocknung wird noch eine dünne Schicht Bologneserkreide aufgetragen, damit der Sand richtig befestigt ist. Einige Details wurden graviert. Die Gravur sollte genau und sauber sein!

Nun werden die zu vergoldenden beziehungsweise zu versilbernden Stellen polimentiert. Das so genannte Poliment besteht aus Bolus, einer fetten Tonerde die es in mehreren Farben gibt, destilliertem Wasser und einem kleinen Anteil Hautleim. Die Polimentschichten, die in Gelb und Rot aufgetragen werden, haben die entscheidenden Eigenschaften, um ein tief glänzendes Gold oder Silber zu erhalten. Zum Einen ist die wässrige Lösung durch den Leimanteil polierbar und zum Anderen durch den fetten Bolus auch noch weich und geschmeidig.
Diese Komponenten ermöglichen die Polierbarkeit des Goldes. So werden eine Schicht des gelben und eine Schicht des roten Poliments mit einem entsprechenden Haarpinsel gleichmäßig aufgetragen.

Das ‚‚ Anschießen‘‘ des Goldes (Silber) ist der wohl anstrengendste Teil der Arbeit, denn hier ist ein großes Maß an Geduld und Konzentration gefragt.
Um eine Haftung des Goldes an den Untergrund zu ermöglichen, benötigt man die so genannte ,,Netze‘‘, die aus Schnaps besteht (bei Silber werden wenige Tropfen Hautleim dazugegeben). Mit einem speziellen Pinsel wird mit der besagten Netze ein Teil der polimentierten Stelle angenässt und sofort das Blattgold ,,angeschossen‘‘. Die Netze verflüchtigt und das Gold haftet somit am Untergrund. Um den charakteristischen, tiefen, massiven Glanz zu erhalten, wird das Gold mit einem Achatstein poliert. Während dieses Vorgangs verdichtet sich die Oberfläche des eigentlichen durchsichtigen Blattgolds mit der geschmeidigen Schicht des Bolus. Ebenso erfolgt dies mit dem Silber. Bei einer Mattvergoldung wird nach dem Polimentieren, mit Leim und Wasser 1:6 ausgeleimt. Der ,,Netze‘‘ werden 1-3 Tropfen Hautleim zugefügt. Nach ca. zehn Minuten Wartezeit nach dem Vergolden muss das Gold mit einem Wattepad festgedrückt werden. Zuletzt wird das Gold mit einem Haarpinsel und mit Schnaps, indem 2-3 Tropfen Leim vorhanden sind, ,,niedergenetzt‘‘.

Die Veredelung mit Blattmetall geschieht wesentlich weniger aufwendig.
Voraussetzung ist eine glatt geschliffene Fläche, die einmal dünn mit einer Dispersion vorgelegt wird, die dem Metall entspricht. Dann erfolgt der dünne, gleichmäßige Auftrag der Vergoldermilch. Sie sollte mindestens fünfzehn Minuten trocknen. Mit Watte wird nun das Schlagmetall vorsichtig aufgedrückt und glatt gestrichen. Oxidiertes Gold oder Kupfer erzielt man, indem man es für Sekunden auf eine warme Herdplatte legt.

Ebenso verwendeten wir die Technik ,,Silberradierung‘‘ auf der Kiste und den Vögeln. Das polierte Silber wird mit einer Ei-Tempera Farbe komplett überstrichen.
Die Ei-Tempera wird, wie der Name schon sagt, mit dem Eigelb eines Hühnereis abgebunden. Der farbgebende Bestandteil ist loses Pigment in gewünschter Farbe. Das entsprechende Muster kann mit einer Pause übertragen werden und anschließend mittels eines spitzen Werkzeuges ausgearbeitet werden.

Bei vielen Details verwendeten wir Bronzen. Es gibt verschiedene Sorten von Bronzen: Silberbronzen, Kupferbronzen, Aluminiumbronzen, Goldbronzen und Patentbronzen, die mit Teerfarben eingefärbt sind. Bei der Herstellung werden sie zuerst geschmolzen, legiert, feingemahlen und dann gestampft. Je feiner die Bronzen sind, desto besser gehen sie zum polieren. Zum Schluss werden die Bronzen mit Zaponlack eingestrichen, zum Schutz vor Oxidation.

Plakafarben sind einfach zu verarbeiten und sind trotzdem ein toller Hingucker.
Die Farben werden mit ein wenig Wasser verdünnt und bis zur vollständigen Deckung aufgestrichen. Nach der Trocknung kann man sie wunderbar polieren. Ebenfalls das Arbeiten mit Kaseinfarbe. Das gewünschte Pigment wird in ein wenig Wasser eingestreut und als Bindemittel sorgt das Kasein. Die zusammengerührte Farbe wird deckend aufgestrichen und nach der Trocknung mit dem Achat poliert.

Silberoxidation ist auf unseren Vögeln zu finden. Das Oxidiermittel kann mit Wasser verdünnt werden (leichte Oxidation) oder pur verwendet werden (starke Oxidation). Leichte Oxidation bekommt einen rötlich bis bräunlichen Stich und starke Oxidation eher einen bläulichen. Es wird mit einem Kunststoffhaarpinsel auf die gewünschte Fläche aufgetragen. Zum Schluss wird es mit Zaponlack versiegelt, damit das Silber nicht weiter oxidieren kann.

Einige Teile unserer Arbeit wurden gelüstert. Lüster ist im Vergolderbereich die Bezeichnung für einen Überzug aus transparentem Farblack, mit dem Metalloberflächen lasiert werden. Die Lüsterfarbe besteht aus einem Glanzlack mit Ölfarbe (Krapplack, Indischgelb, Preußischblau). Die Kunst beim Lüstern ist ein gleichmäßiger Lackauftrag, ohne Pinselstriche zu erzeugen.

Gestaltung des Deckels
Mit Hilfe unseres Mitschülers Andreas Duftner, der gelernter Tischler ist, fertigten wir einen Rahmen aus Fichtenholz für unser Plexiglas an, der als Deckel  verwendet wird. Danach folgte der Kreidegrundaufbau (siehe Gestaltung der Kiste). Da der Rahmen mit der Technik Holzimitation gestaltet wurde war es wichtig eine glatte Fläche zu haben. Zunächst wurde der Untergrund mit einer Acrylgrundierung gestrichen. Holzimitation gehört zu der Kategorie Trompe` loel (Augentäuschung). Die Lasur, mit der das Holz imitiert wird, besteht aus Bier, Essig oder Kleister und natürlichem Pigment. Die Trockenpigmente werden eingesumpft. Mit Hilfe von Modler, Schläger, Spitzpinsel, Dachsvertreiber, Schwämme, Kämme, Korken, Maserboy, usw. hat man die Möglichkeit die Maserung des Holzes reizvoll zu gestalten. Zum Schluss wird das fertige Werk mit einem Glanzlack zum Schutz überzogen. Aus Selbstklebefolie haben wir die Schrift des Logos, mit Hilfe des Plotters, ausgeschnitten. Diese haben wir mit dem Nassklebeverfahren auf die Vorderseite des Plexiglases geklebt. Die Pfauenfeder unseres Logos wurde digital auf Laminatfolie ausgedruckt und ebenfalls mit dem Nassklebeverfahren auf die Hinterseite des Plexiglases geklebt. Dadurch entsteht ein 3D-Effekt. Wichtig dabei ist Luftblasen zu vermeiden!

Gestaltung der Angeln
Zuerst befestigten wir an einem Ende der Holzstäbe die Ringschrauben. Da unsere Angeln ein optischer Hingucker werden sollen, haben wir beschlossen sie auffällig zu gestalten. Bevor sie weiß grundiert wurden, wurden sie mit einem Schleifpapier angeschliffen. Wir haben uns für die Farben Rot, Grün, Blau und Gelb entschieden. Mit diesen Farben wurden die Holzstäbe gestrichen. Als Highlight sorgen die gemalten Ringe, in jeweils einem helleren Ton, einem dunklerem und dazwischen Schlagmetall. Zum Schutz vor Verschmutzung und Abrieb wurden sie mit einem Glanzlack überzogen. Nach der Trocknung befestigten wir an den Ringschrauben einen dünnen Silk, an dem eine, ebenfalls mit Schlagmetall verzierte, Holzkugel befestigt wurde. An die Holzkugel klebten wir mit Superkleber die Magnete.

Resümee
Wir haben toll als Projektteam funktioniert und zusammengearbeitet. Dennoch war unser Abschlussprojekt eine große Herausforderung für uns mit vielen Hürden, die wir in unserer Hinsicht mit Bravour  gemeistert haben. In unserem Projekt steckt viel Arbeit und Zeit, auf das wir mit Recht sehr stolz sein können. Teilweise haben wir uns mit unserer Arbeit überschätzt, die uns bis an unsere Grenzen brachte. Aber durch unseren Zusammenhalt konnten wir auch das meistern. Mit ‚‚Federwild‘‘ präsentieren wir unsere Vielfältigkeit und unser Können.